Berlin.Dokument (45- )
Berlin.Dokument (45- )
‣Sonntag, 9. August 2015, 20.00 Uhr + Donnerstag, 13. August, 20.00 Uhr, Zeughauskino Berlin – Berlin.Dokument Nr. 46: Pulverfass Berlin: 13. August 1961 – 46. Pulverfaß Berlin Handout.pdf – Wie informierten die Wochenschauen über die Abriegelung der Berliner Sektoren-grenze am 13. August 1961? Welche anderen Ereignisse waren ihnen noch wichtig? Die DEFA-Wochenschau Der Augen-zeuge berichtet erst nur kurz über die Maßnahmen der DDR-Regierung zum Schutz „gegen Abwerber, Menschenhändler und Saboteure“. Eine Woche später geht fast eine ganze Ausgabe auf den Mauerbau ein, ohne ihn allerdings direkt zu zeigen. Zu sehen sind stattdessen Bilder vom friedlichen Alltag in Ost-Berlin, von der Verurteilung eines Agenten und von Politikern, Schriftstellern und Kindern, die den Soldaten an der Grenze Geschenke und Blumen überreichen. Die vier in Westdeutschland und West-Berlin laufenden Wochenschauen – die Ufa-Wochenschau, die Neue Deutsche Wochenschau, Blick in die Welt und Fox tönende Wochenschau – können nur vom Westen aus filmen. Sie dokumentieren das Aufreißen der Straßen, das Einschlagen von Betonpfählen und das Ziehen von Stacheldrahtverhauen, später das Wachsen der ersten Mauerteile. Sie zeigen aber auch die zahlreichen Flüchtlinge im Notaufnahmelager Marienfelde sowie ein fröhliches Kinderfest in Kreuzberg, bei dem noch am Vortag des Mauerbaus die kleinen Gäste aus Ost und West gemeinsam feierten. Bei der aktuellen Berichterstattung waren die Wochenschauen jedoch gegenüber dem Fernsehen im Nachteil: „Das Brandenburger Tor, in den Wochenschauen noch für den Durchgangsverkehr geöffnet, ist inzwischen abgeriegelt worden, das Gesicht des Potsdamer Platzes hat sich wesentlich gewandelt.” (Film-Echo, 23. August 1961) Die von den westlichen Kameramännern aufgenommenen Wochenschau-Bilder werden in der Folgezeit aber immer wieder in zahlreichen Dokumentarfilmen eingesetzt und etablieren sich so als visuelle Zeichen des Mauerbaus.
‣Dienstag, 6. Oktober 2015, 20.00 Uhr + Freitag, 9. Oktober, 18.30 Uhr, Zeughauskino Berlin – Berlin.Dokument Nr. 47: Schaut auf diese Stadt – 47. Schaut auf diese Stadt Handout.pdf – DEFA-Propagandafilm, der Ernst Reuters berühmten Aufruf „Ihr Völker der Welt, schaut auf diese Stadt“ von 1948 polemisch gegen den Westen wendet. Mit Kontrastmontagen, ironischen Musikeinsätzen und einem agitatorischen Kommentar soll die Rolle West-Berlins bei der Destabilisierung der DDR und somit die „unbedingt notwendigen Maßnahmen unserer Regierung am 13. August 1961“ belegt werden. Sie hätten einen „schrecklichen Weltbrand“ verhindert, so der Progress-Filmverleih, der empfiehlt, die Vorführungen „zu einem festlichen Ereignis“ auszugestalten. Die Klassen 9 bis 12 der allgemein bildenden sowie alle Klassen der berufsbildenden Schulen werden sogar vom DDR-Ministerium für Volksbildung zum Besuch des Films bis zum Jahresende verpflichtet. Für den Regisseur Karl Gass ist der Film „rein dokumentarisch“, für den Kommentator Karl-Eduard von Schnitzler gar das „erste nationale Filmdokument der deutschen Nachkriegsgeschichte.“ Auf einem Höhepunkt des Kalten Krieges fährt Schaut auf diese Stadt allerdings schärfste Filmpropaganda auf, um gegenüber der DDR-Bevölkerung den Mauerbau zu legitimieren. Uraufführung ist am ersten Jahrestag des Mauerbaus am 13. August 1962, auf den auch die DEFA-Wochenschau Der Augenzeuge 34/1962 eingeht.
‣Mittwoch, 11. November 2015, 20.00 Uhr und Freitag, 13. November, 21.00 Uhr, Zeughauskino – Berlin.Dokument 48: Berlin zwischen Stacheldraht und Mauer – 48. Zwischen Stacheldraht und Mauer (1962) Handout.pdf – Der vom Presse- und Informationsamt der Bundesregierung in Auftrag gegebene Film Berlin zwischen Stacheldraht und Mauer wird am 12. August 1962 in Anwesenheit von Bundespräsident Heinrich Lübke in Berlin uraufgeführt. Er dokumentiert den ständigen Ausbau der innerstädtischen Grenzanlagen, Verzweiflungsgesten an der Mauer, gelungene und gescheiterte Fluchtversuche, zugemauerte Fenster der grenznahen Häuser: „Das Antlitz des Gefängnisses ist perfekt.“ Gegen das „Konzentrationslager“ DDR hebt A. Werner Uhlig den Freiheitswillen der West-Berliner und deren Unterstützung durch in- und ausländische Politiker hervor. Dank der Bundeshilfe wächst die West-Berliner Industrie, neue Straßen und moderne Wohnungen entstehen. Die Stadtplanung behält aber die zukünftige Aufgabe Berlins als deutscher Hauptstadt im Blick. Trotz drängender Enge erholen sich die West-Berliner an Havel und Wannsee; am Kurfürstendamm „brodelt der Verkehr der Weltstadt“. – Der noch vor dem 13. August 1961 gedrehte Film Abstimmung mit den Füßen setzt die massenhafte Flucht aus der DDR im Verhältnis zur „Fieberkurve sowjetischer Politik“. 1962 berichtet die Neue Deutsche Wochenschau ausführlich vom ersten Jahrestag des Mauerbaus.
‣Donnerstag 3. Dezember 2015, 20.00 Uhr und Sonntag, 6. Dezember, 18.00 Uhr, Zeughauskino, Berlin.Dokument 49: Spaziergänge durch Tierpark und Zoo – 49. Spaziergänge durch Tierpark Handout.pdf – Als Merkwürdige Speisekarte (1957) erscheint das vielfältige Futterangebot, das tagtäglich im West-Berliner Zoologischen Garten u.a. für die Flusspferde „Knautschke“ und „Bulette“ aufbereitet wird. In Ferientage (1963) erkunden Altenburger Kinder auch den Tierpark in Friedrichsfelde. 1966 begleitet eine heitere DEFA-Filmreportage einen Tag lang die Besucher im Paradies der Tiere in Friedrichsfelde. In Tag der Tiere (1970) beobachten Kinderaugen das abwechslungsreiche Geschehen im Tierpark. Der 1968 von Jürgen Böttcher realisierte Tierparkfilm verzichtet auf einen Kommentar und verdichtet stattdessen stimmungsvolle Einzelbeobachtungen zu der Vision eines freien und fast paradiesischen anmutenden Lebens.
‣Mittwoch, 6. Januar 2016, 20.00 Uhr und Sonntag, 10. Januar, 18.00 Uhr, Zeughauskino, Berlin.Dokument 50: Berlin in den Sechziger Jahren: Berlin-Experiment – 50. Handout Berlin-Experiment.pdf – In den 1960er Jahren zeigen sich zaghafte Versuche, die ausgetretenen Pfade des Kulturfilms zu verlassen. Das gilt auch für die Darstellung Berlins im dokumentarischen Film. 1960 überrascht Hansjürgen Pohland mit dem jazzigen Experimentalfilm Schatten über die harten Kontraste und die Schattenseiten der Großstadt. In Unter der Oberfläche (1960) filmt Manfred Durniok die wilden Tänze in einer Berliner Rock’n’Roll-Kneipe in Zeitlupe. Der melancholisch-surreale Tanzfilm Allemande im Herbst (1963) von Roland Verhavert arrangiert seine Figuren dagegen vor der romantischen Kulisse des Schlossparks Charlottenburg. 3500 m Boulevard (1967) ist eine ironische Hommage an den Kurfürstendamm als West-Berlins elegantester Geschäfts- und Vergnügungsstraße. In Wir aber müssen unten leben (1969) zeigt Manfred Durniok West-Berlin aus der Luft, um dann für Einzelbeobachtungen in den Alltag etwa eines Fitnessstudios, eines Operationssaals, einer Ballettprobe, einer Beerdigung oder zu Aschinger am Zoo hinabzusteigen. Einen ganz anderen Blick auf Berlin und seine Arbeitswelt wirft der DEFA-Film Stars von 1963. In diesem Gruppenporträt lässt Jürgen Böttcher Frauen aus einer Brigade des Berliner Glühlampenwerks selbst zu Wort kommen; lachend und scherzend kommentieren sie ihre harten Arbeitsbedingungen am Fließband.
‣Dienstag, 23. Februar 2016, 20.00 Uhr und Donnerstag, 25. Februar, 20.00 Uhr, Zeughauskino, Berlin.Dokument 51: Berlin in den Sechziger Jahren: TOWARISCH BERLIN (UdSSR 1968) –51. Towaritsch Berlin Handout.pdf – Zum 20. Jahrestag der DDR 1969 realisiert der bekannte sowjetische Dokumentarist Roman Karmen eine aufwändig in Farbe und Totalvision gedrehte Reportage über Ost-Berlin. Karmen hatte als Frontkameramann beim Vormarsch der Roten Armee die deutschen Gräueltaten in der Sowjetunion und den Fall von Berlin gefilmt; damals habe es „kein schlimmeres Wort als Berlin“ gegeben. Jetzt stellt er die Hauptstadt der DDR als TOWARISCH BERLIN und als Symbol für ein neues Deutschland vor. Für die Sowjetmenschen habe es immer zwei Deutschlands gegeben: das Land der sozialistischen Arbeiterbewegung und das des Faschismus. Immer wieder erinnert er an die schmerzlichen Kriegserfahrungen, die nicht vergessen werden dürfen. Es ist wohl diesem persönlichen Blick geschuldet, dass Karmen, auch wenn er den Bau der Berliner Mauer politisch rechtfertigt, sie dennoch als „Wunde im Herzen vieler Berliner“ bezeichnet. – Das DDR-MAGAZIN 2/1969 zeigt Auftritte ausländischer Künstler wie Louis Armstrong, Gilbert Bécaud, Igor Oistrach und des Dirigenten Aram Chatschaturjan in Ost-Berlin als einem „Zentrum der Weltkultur“. Das farbige Magazin DDR – DAS SIND WIR (1968) stellt neben dem VEB Zementanlagenbau Dessau und dem Volkskünstler Willi Streicher auch den Umbau Ost-Berlins zur sozialistische Hauptstadt vor: „Frei von jeglicher Spekulation“ entstehen am Alexanderplatz „großzügige, weiträumige Bauensembles“.
‣Sonntag, 20. März 2016, 18.00 Uhr und Mittwoch, 23. März, 20.00 Uhr, Zeughauskino, Berlin.Dokument 52: Berliner Kaleidoskop – 52. Berliner Kaleidoskop Handout.pdf – In den 1960er Jahren wird die Darstellung Berlins im Dokumentarfilm abwechslungsreicher und bunter. Neue Stilmittel jenseits der herkömmlichen Postkarten-ansichten werden erprobt. Ansätze dazu gab es bereits in den 1950er Jahren, etwa wenn Herbert Lander 1956 in Eine Schlagader der Großstadt die Berliner U-Bahn nur durch ihre vielfältigen Geräusche und Stationsdurchsagen charakterisiert. Auch die 1969 von Herbert Victor in Noch 49 Stunden montierten Eindrücke vom Berliner Sechstagerennen wirken vor allem durch die faszinierende Geräuschkulisse dieses volkstümlichen Sportereignisses. [Film entfällt] In Berliner Kaleidoskop (1960) illustriert Manfred Durniok die von dem Zeichner Robinson in seinem Buch Berlin halb und halb mit spitzer Feder porträtierte Viersektorenstadt. In Mit 18 nach 18 (1960) zeigt Hansjürgen Pohland unaufgeregt die vielfältigen Angebote der vom West-Berliner Senat finanzierten Jugendheime vor, während Peter Cürlis in Alpen auf berlinisch (1967) die aus dem Trümmerschutt entstandenen neuen Naherho-lungsgebiete dokumentiert. Auch die DEFA experimentiert mit aufgelockerten Formen. Meister Zacharias und seine acht goldenen Zeiger (1958) nimmt die Uhren des Roten Rathauses zum Anlass, um Kindern einen Tagesablauf in Berlin vorzustellen. Und in der Fensterputzerserenade (1960) wirft Rolf Schnabel einen frisch-frechen Blick auf den Ost-Berliner Alltag.
‣Donnerstag, 14. April 2016, 20.00 Uhr und Sonntag, 17. April, 18.00 Uhr, Zeughauskino, Berlin.Dokument 53: Ost-Berlin – Internationaler Flair – 53. Handout Ost-Berlin Internationales Flair.pdf – Die Selbstdarstellung Ost-Berlins in den 1960er Jahren hebt neben den sozialen Leistungen der DDR stets auch ihren internationalen Charakter hervor. RBI – Radio Berlin International (1966) stellt den Auslandsrundfunk der DDR vor, der in zahlreichen Sprachen die Errungenschaften des Sozialismus propagiert. – Berlin heute (1966) porträtiert Ost-Berlin als internationale Stadt mit modernen Arbeitsplätzen und einer hohen Lebensqualität: Großes Warenangebot in den Supermärkten, einladende Spielplätze für die Kinder und breit aufgestellte Freizeitangebote. An Hauptsehenswürdigkeiten werden die Straße Untern den Linden und das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park vorgestellt. Auf den Bühnen der Stadt sind Louis Armstrong und Juliette Gréco ebenso zu Gast wie Ensembles aus Afrika und Indien. Zur Militärparade am 1. Mai 1966 ist ganz Berlin auf den Beinen und die Partei- und Staatsführung mischt sich unters Volk. – Zu den 10. Berliner Festtagen 1966 wird das Alten Museum wieder eröffnet. Das DDR-Magazin 34/1967 zeigt zudem Ausschnitte aus den zahlreichen Theater- und Opernaufführungen mit Gästen aus aller Welt. –Arbeitsplätze, vor allem aber Nischen der Entspannung und Orte des persönlichen Glücks stellt Chanson von der Spree (1965) vor: Verladearbeiter und Taucher, Angler und Ausflügler sowie Liebespaare, die am Ufer ein stilles Plätzchen suchen. Dazu singen Gisela May, Manfred Krug, Regina Thoss und der Studiochor Leipzig.
‣Sonntag, 12. Juni 2016, 18.00 Uhr, sowie Mittwoch, 15. Juni, 20.00 Uhr, Zeughauskino: BerlinDokument 54: Deutschland – Endstation Ost – 54. Deutschland – Endstation Ost Handout.pdf – "Die DDR, mit den Augen eines Ausländers gesehen" – so lautete der Arbeitstitel eines ungewöhnlichen Dokumentarfilms, den der belgische Sozialist Frans Buyens 1963/64 in der DDR drehen konnte. In seinem Interview-Film Deutschland – Endstation Ost (DDR 1964, 84') lässt er Fabrikarbeiter und Kleinunternehmer, LPG-Bauern und ausländische Studenten ausführlich zu Wort kommen. Große Teile des Films entstanden in Ost-Berlin. Nur wenige Jahre nach dem Bau der Berliner Mauer befragte Buyens hier auch Grenzsoldaten nach dem Sinn dieser Maßnahme und des Schießbefehls. Zwar leistet Buyens keine kritische Auseinandersetzung mit dem System, die Außensicht eines Sympathisanten ermöglicht dennoch einen frischen und weitgehend unverstellten Blick auf die Lebenswirklichkeit der DDR. – Der Kurzfilm Dialog mit einem Grenzsoldaten (1967, R: Götz Oelschlägel, 17’) beruht ebenfalls auf Interviews. Die Gespräche mit dem Grenzsoldaten Reinhard Laske über seine Aufgaben an der Grenze zu West-Berlin sind allerdings weitgehend inszeniert, seine Äußerungen erwartungsgemäß systemkonform. In Interviews mit seinen Eltern, seiner Freundin und Arbeitskollegen versucht der Film, seine Persönlichkeit weiter zu ergründen, um dann doch das Idealbild eines DDR-Grenzsoldaten zu zeichnen, der auf die Parole, Grenz-durchbrüche nicht zuzulassen, mit „Befehl ist Befehl“ antwortet.
‣Freitag, 22. Juli 2016, 18.30 Uhr, sowie Sonntag, 24. Juli, 20.30 Uhr, Zeughauskino: BerlinDokument 55. West-Berlin: Stadterneuerung oder Stadtzerstörung? – 55. Handout Stadterneuerung West-Berlin.pdf – Am Beispiel von West-Berlin beklagt der Architekturkritiker Ulrich Conrads den „Mord an der Stadt“. „Putzsüchtiger Modernisierungswille“ sowie „nüchternes Kalkül und missverstandene Fortschrittlichkeit“ zerstörten den überlieferten ornamentalen Zierrat der Fassaden. Im Krieg nicht oder nur kaum beschädigte Gebäude würden ihren historischen Charakter verlieren, die derart gereinigten Fassaden keine Geschichte mehr erzählen. Die neuen Schlafstädte seien nicht im Stande, städtisches Lebensgefühl zu vermitteln. Desillusioniert konstatiert Conrads: „Die trostlosen Hinterhöfe von Gestern wurden abgelöst von den sterilen Wohn-siedlungen des Heute.“ Sein Film Die gemordete Stadt (1965) nach Motiven des ein Jahr zuvor erschienenen gleichnamigen Buches von Elisabeth Niggemeyer, Wolf Jobst Siedler und Gina Angress ist ein wehmütiges Plädoyer für urbanes Leben in der Großstadt, verbunden mit der Hoffnung auf eine neue Stadt, in der man leben und die man lieben kann. – In Stadterneuerung Berlin – Beispiel Wedding (1966) weisen auch die Architekten Jan und Rolf Rave darauf hin, dass durch neue Siedlungen das Unverwechselbare der Städte verloren gehen kann. 1968 porträtiert Wolfgang Kaskeline den alten Arbeiterbezirk Kreuzberg als Spielwiese für Individua-listen. Im gleichen Jahr zeigt Peter Cürlis, wie mit der Gropiusstadt ein ganz neuer Stadtteil von Berlin entsteht. Die Filme: Die gemordete Stadt. Abgesang auf Putte und Straße, Platz und Baum BRD 1965, R: Manfred Durniok, Buch: Ulrich Conrads, 43’ – Blu-ray / Stadterneuerung Berlin-Beispiel Wedding BRD 1966, R: Wolfgang Kiepenheuer, 24’ – 16mm / Berlin-Kreuzberg BRD 1968 R: Wolfgang Kaskeline, 9’ – file / Berlin-Buckow-Rudow – ein neuer Stadtteil BRD 1968, R: Peter Cürlis, 23’ - file
‣Sonntag, 14. August 2016, 20 Uhr, sowie Mittwoch, 17. August, 20 Uhr, Zeughauskino: Berlin.Dokument 56: Neubau Ost-Berlin – 56. Neubau Ost-Berlin Handout.pdf – Zur Wiederöffnung der Deutschen Staatsoper 1955 stellt ein opulenter Farbfilm die aufwändige Rekonstruktion des kriegszerstörten Gebäudes vor. Geschichte, Wiederaufbau und Modernisierung der Komischen Oper sowie ihre festliche Wiedereröffnung 1966 stehen im Mittelpunkt einer Ausgabe des DDR-Magazins, das im Ausland für die Leistungen der DDR werben sollte. Drei durchaus professionell gedrehte Kurzfilme des Amateur-filmstudios beim Wohnungsbaukombinat Berlin dokumentieren den Neubau des Ost-Berliner Stadtzentrums rund um den Alexanderplatz – ein Renommierprojekt des sozialistischen Städtebaus. Die Filmexkursion Det sind wir (1965) vom Straußberger Platz bis Unter den Linden schicken die Amateurfilmer als Gruß an das Amateurfilmstudio in Riga. In Berlin-Melodie (1968) dokumentieren sie mit dem modernen Gesicht Ost-Berlins zugleich auch ein locker-beschwingtes Lebensgefühl. Ganz im offiziellen Stil des DEFA-Augenzeugen ist dagegen der dritte Teil ihrer Serie Rund um dem Fernsehturm gehalten. Er stellt u.a. die feierliche Übergabe der Berliner Markthalle und den Bau des Wohnkomplexes am Leninplatz vor. Deutlich unverkrampfter nähert sich der Farbfilm Kalle – Eine Geschichte für Neugierige (1970) dem Thema: Mit einer List schafft es ein 8jähriger Steppke, die geheimnisvollen Vorgänge hinter den zahlreichen Bauzäunen in Berlins Mitte zu ergründen. – Die Filme: Die deutsche Staatsoper. Eine architektonische Betrachtung DDR 1955, 7’ / DDR-Magazin 30/1967 DDR 1967, R: Hans Müller, 20’ – 35mm / Det sind wir DDR 1965, 7’ – digital file / Berlin-Melodie DDR 1968, 8’ – digital file / Rund um den Fernsehturm 3 DDR 1969, 25’ – digital file / Kalle – Eine Geschichte für Neugierige DDR 1970, R: Eckhard Potraffke, 19’ – 35mm
‣Sonntag, 2. Oktober 2016, 20.00 Uhr, sowie Mittwoch, 5. Oktober, 20.00 Uhr, Zeughauskino: Berlin.Dokument 58: Geschichte(n) und Symbole – 58. Geschichte(n) und Symbole Handout.pdf – In dem Montagefilm Erinnerungen an eine bewegte Vergangenheit (BRD 1960) kontrastiert Manfred Durniok Aufnahmen aus der Nachkriegszeit mit Bildern des westdeutschen Wirtschaftswunders. Der Film verzichtet auf einen Kommentar; Zitate aus der Bibel warnen aber vor einem neuen Krieg. In Berlin – Brandenburger Tor. Die Geschichte eines Symbols (BRD 1962) wird Berlins Wahrzeichen als „Drehtür des Schicksals“ vorgestellt. Anhand von Stichen, Zeichnungen, Fotos und historischen Filmaufnahmen lässt Wolfgang Kiepenheuer deutsche Geschichte Revue passieren – ganz ohne das heute übliche Reenactment, mit einer pointierten Musik, aber leider auch mit einem recht oberflächlichem Kommentar. Der Fotofilm Fotograf im Jahre 0 (DDR 1965) dokumentiert Fotos von Otto Donath, der als erster deutscher Bildjournalisten im Mai 1945 im kriegszerstörten Berlin nach dem Motto fotografierte: „Einfach ranpirschen, und dann Apparat raus!“ Als Kommentar dienen die Originalbildunterschriften von 1945. In Ein alter Engel (DDR 1966) blickt Joachim Hadaschik anhand einer ins Depot abgeschobenen Viktoria-Skulptur aus dem Zeughaus auf die Geschichte des Hauses und des preußischen Militarismus zurück. Memorial (BRD 1969) stellt die Gedenkkirche Maria Regina Martyrum vor, die in der Nähe der ehemaligen Hinrichtungsstätte Plötzensee an den katholischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus erinnert.
‣Sonntag, 20. November 2016, 18.00 Uhr, sowie Mittwoch, 23. November, 20.00 Uhr, Zeughauskino: Berlin.Dokument 59: Kirche in geteilter Stadt – 59. Kirche in geteilter Stadt Handout.pdf – Während des Zweiten Weltkriegs werden etwa zwei Drittel der 285 Berliner Kirchen zerstört. Ende der 1950er Jahre sind im Westteil der Stadt bereits viele Kirchen wieder aufgebaut bzw. im modernen Stil neu errichtet. In Inseln des Glaubens (BRD 1959) stellt Rudi Flatow Gebetshäuser verschiedener Religionsgemeinschaften vor, darunter auch die Synagoge in der Charlottenburger Pestalozzistraße, die der Vernichtung durch die Nationalsozialisten entgangen war. Noch unter dem Eindruck des Mauerbaus am 13. August 1961 entstanden, klagt Kirche in geteilter Stadt (BRD 1961) in scharfen Tönen Walter Ulbricht an; der Film stellt einige der Erschwernisse vor, mit denen die katholischen Kirche in West-Berlin zu kämpfen hat. Mit zahlreichen Berlin-Aufnahmen informiert Unter einem Dach (BRD 1964) über die umfangreichen Aktivitäten der Evangelischen Kirche, etwa über die Bahnhofs- und Stadtmission, einen Kirchentag in der Waldbühne, das Haus der evangelischen Jugend in Kladow und eine Predigt von Bischof Otto Dibelius. Im Ostteil der Stadt nähert sich Karlheinz Mund in Memento (1966) dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee. „Jüdischer Gesang erklingt, Zahlen schmerzen dem Gedächtnis, Erinnerungsarbeit wird vorsichtig in Gang gesetzt, und nicht nur die Arbeit eines Steinmetzen, dem Mund auf dem Friedhof zusah, verdeutlicht, daß die Vergangenheit kein abgeschlossenes Kapitel darstellt. Einzelne Einstellungen ungepflegter Grabmäler fielen der Zensur zum Opfer.“ (Hans-Jörg Rother)
‣Donnerstag, 15. Dezember 2016, 20.00 Uhr, sowie Sonntag, 18. Dezember, 18.00 Uhr, Zeughauskino, Berlin: Berlin.Dokument 60: Erstes Passierscheinabkommen 1963/64 – 60. Erstes Passierscheinabkommen Handout.pdf – Zum Jahreswechsel 1963/64 können West-Berliner zum ersten Mal ihre nächsten Verwandten im Ostteil der Stadt besuchen – 28 Monate nach dem Bau der Berliner Mauer. Möglich machte dies das erste Passierscheinabkommen, das am 17. Dezember 1963 zwischen der DDR und dem West-Berliner Senat geschlossen wurde. Auf Grundlage dieser zeitlich befristeten Vereinbarung werden zwischen dem 19. Dezember 1963 und dem 5. Januar 1964 etwa 1,2 Millionen Besuche von über 700.000 West-Berlinern gezählt. Das Abkommen kommt "ungeachtet der unterschiedlichen politischen und rechtlichen Standpunkte" zustande, wie es in den offiziellen Dokumenten heißt. Während der Westen mit der Vereinbarung, der bis 1966 noch drei weitere folgten, keine Anerkennung der DDR verbindet, wird sie von der östlichen Seite als diplomatischer Erfolg gefeiert: mit dem Abkommen hätte der Westen den Status West-Berlins als "selbstständige politische Einheit" anerkannt. So wundert es nicht, dass auch die Wochenschauen, Filmmagazine und Dokumentarfilme aus Ost und West diese erste Passierschein-Aktion unterschiedlich bewerten.
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