Berlin.Dokument (29-45)

 
  1. 20. Februar 2014, Zeughauskino, 20.00 Uhr + 23. Februar, 18.30 Uhr, Reihe Berlin.Dokument Nr. 29: Berlin in den Fünfziger Jahren (1) – Ein Film – Zwei FassungenBD 29 Ein Film – zwei Fassungen_Handout.pdf – Zwischen 1936 und 1939 arbeitete Leo de Laforgue (1902-1980) als Ein-Mann-Filmemacher an dem abendfüllenden Dokumentarfilm Berlin – Gigant der Arbeit, Stadt der Schönheit (D 1942), den er als „eines der wirkungsvollsten Propagandamittel für die nationalsozialistische Reichshauptstadt” ansah. Sein Film sollte der Welt demonstrieren: „So ist Berlin, die Stadt Adolf Hitlers!” (Film-Kurier, 23.3.1939) Der von der Tobis nur mit Musikbegleitung fertiggestellte Film kam aber nie in die Kinos. Neben politischen Gründen dürften auch Einwände gegen künstlerische Mängel eine Rolle gespielt haben; Laforgue kann nie an seine erklärten Vorbilder Walter Ruttmann und Leni Riefenstahl anknüpfen. Der Film kam erst 1950 in West-Berlin in einer entnazifizierten, von Friedrich Luft kommentierten Fassung als Symphonie einer Weltstadt. Berlin wie es war heraus. Wir zeigen eine vom Bundesarchiv-Filmarchiv neugezogene Kopie. Am 1. Oktober 1950 erlebte diese Fassung in West-Berlin eine feierliche Premiere. Die Aufnahmen des „unversehrten Berlin” (Der Kurier) wurden anstandslos und ohne jeden Hinweis auf das „Dritte Reich” in die westdeutsche Filmgeschichtsschreibung integriert. Das Programm rekonstruiert diese Uraufführung mit Laforgues Kurzfilm Anmut und Kraft. Die Welt des Bildhauers Georg Kolbe (BRD 1950) im Vorprogramm. Dort ebenfalls Berlin am 1. Oktober 1950 (Archivtitel) mit aktuellen Aufnahmen von drei Ereignissen des gleichen Tages: der feierlichen Verabschiedung der neuen West-Berliner Verfassung, der Eröffnung der Großen Deutschen Industrieausstellung sowie dem Beginn der nur zwei Stunden zuvor statt gefundenen Filmpremiere.

  2. 14. März 2014, Zeughauskino, 18.30 Uhr + 18. März, 20.00 Uhr, Reihe Berlin.Dokument Nr. 30: Berlin in den Fünfziger Jahren (2) – SpaltungBD 30 Spaltung_Handout.pdfBerlin hat sich entschieden! (D/Ost 1948, R: Bruno Kleberg); Welt im Film Sonderdienst. Berlin wählt (D/West 1948); Eine freie Universität (BRD 1949, R: Wolfgang Kiepenheuer); Der Augenzeuge Nr. 22/1950 (DDR 1950); Welt im Film Nr. 259/1950 (BRD 1950); Freiheitsglocke Berlin 1950 (Archivtitel) (DDR 1950); Nicht stören: Funktionärsversammlung (BRD 1951) – Kommunistische Störungen der Berliner Stadtverordnetenversammlung führten am 5. Dezember 1948 zu Neuwahlen, die aber nur in den Westsektoren stattfinden konnten; sie zementierten die politische Spaltung der Stadt. "Eine freie Universität" schildert den Aufbau einer neuen Universität in West-Berlin als Reaktion auf die Einflussnahme der SED auf die Berliner Universität Unter den Linden. Der "DEFA-Augenzeuge" berichtet ausführlich über das „Deutschlandtreffen der Jugend” in Ost-Berlin zu Pfingsten 1950. Die amerikanische Wochenschau "Welt im Film" greift die gegen West-Berlin gerichteten kommunistischen Aktivitäten scharf an. Ein nicht verwendetes Sujet des Augenzeugen nimmt das Anbringen der Freiheitsglocke am Rathaus Schöneberg (am 21. Oktober 1950) zum Anlass für einem nicht minder scharfen propagandistischen Rundumschlag. "Nicht stören: Funktionärsversammlung" mit Texten des Kabarettisten Günter Neumann führt den Kalten Krieg dagegen mit den Mitteln der Satire.

  3. 15. April 2014, Zeughauskino, 20.00 Uhr + 17. April, 20.00 Uhr, Reihe BerlinDokument Nr. 31: Berlin in den Fünfziger Jahren (3) – Kunst und Technik in Ost-Berlin 1949-1953BD 31 Kunst und Technik Ost-Berlin_Handout.pdf – Hans Cürlis, der Altmeister des Künstlerporträts, beobachtet in Formende Hände (DDR 1949) Renée Sintenis beim Modellieren einer Kleinplastik. Nach scharfer Kritik wird ab 1950 im Stahlwerk Hennigsdorf Besserer Stahl produziert, zu sehen in Besserer Stahl (DDR 1950, R: Günter Mühlpforte). Die beiden Magazine Forschen und Schaffen Nr. 1 (DDR 1951) und Forschen und Schaffen III/52 (DDR 1953) berichten über Errungenschaften und Leistungen Berliner Museen und Unternehmen. Vorgestellt werden die Sammlungen des Vorderasiatischen Museums, die Entwicklung einer neuen synthetischen Faser, der Aufbau eines Großdrehwerks, die Produktion energiesparender Leuchtstofflampen sowie die Restaurierung von Gemälden und Plastiken im Märkischen Museum. Während die Wochenschau Der Augenzeuge 1951 die Sprengung des Berliner Stadtschlosses filmt (Sprengung des Berliner Schlosses) – Aufnahmen, die aber nicht verwendet werden –, stellt der Farbfilm Sanssouci (DDR 1953, R: Wolfgang Bartsch) zum 200. Todestag seines Erbauers Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff 1953 das Schloss Sanssouci als "Kunstwerk einmaliger Schönheit" vor.

  4. 21. Mai 2014, Zeughauskino, 20.00 Uhr + 24. Mai, 19.00 Uhr, Reihe Berlin.Dokument Nr. 32: Berlin in den Fünfziger Jahren (4) – Alltag und Politik in West-Berlin Anfang der 1950er JahreBD 32 Alltag und Politik in West-Berlin Anfang der 1950er Jahre_Handout.pdf – Die Filme: Der Sportspiegel zeigt: Sechstagerennen Berlin (BRD 1949), "F" (Freiheit) (BRD 1950, R: Ule J. R. Eyth ), Berliner, paßt auf! (BRD 1951, R: Wolfgang Kaskeline), Signal auf Halbmast (BRD 1951, R: Gunther von Fritsch), Keiner ohne den Anderen (BRD 1951) und Das Berliner Schloß (BRD 1953, R: Leo de Laforgue).– Ein Trickfilm warnt die Westberliner vor betrügerischen Einkäufen "dunkler Gestalten" im Ost-Sektor der Stadt. 1949 streiken die im Westen wohnenden S-Bahn-Angestellten der Deutschen Reichsbahn; sie leiden unter dem Währungsgefälle zwischen Ost- und Westmark. Anfang Dezember des gleichen Jahres startet das erste Nachkriegs-Sechstagerennen in der neuen Sporthalle am Berliner Funkturm. 1950 stellt Rainer Hildebrandt die offiziellen Aktivitäten, insbesondere die Flüchtlingsbetreuung, der von ihm mit gegründeten Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit vor. Der Deutsche Evangelische Kirchentag findet 1951 in beiden Stadthälften unter dem Motto "Keiner ohne den Anderen" statt. Zwei Jahre später montiert Leo de Laforgue Archivaufnahmen zu einem Porträt des Berliner Stadtschlosses; den 1951 erfolgten Abriss muss er aber mit Hilfe von Trickaufnahmen nachstellen.

  5. 15. Juni 2014, Zeughauskino, 18.30 Uhr + 17. Juni, 20.00 Uhr, Reihe Berlin.Dokument Nr. 33: Berlin in den Fünfziger Jahren (5) – Der 17. Juni 1953 in Berlin im Spiegel der WochenschauenBD 33 Der 17. Juni 1953_Handout.pdf – Das Programm versammelt die in Deutschland erschienenen zeitgenössischen Wochenschauen, die den Aufstand in Ost-Berlin vom 17. Juni 1953 darstellen: Die Filme: Welt im Bild, Nr. 51/1953, Fox Tönende Wochenschau, Jg. 36, Nr. 61/1953, Blick in die Welt, Nr. 25/1953, Neue Deutsche Wochenschau, Nr. 177/1953, Neue Deutsche Wochenschau, Nr. 178/1953 und Der Augenzeuge, Nr. 26/1953. "Und wieder haben die Wochenschauen [...] einen Höhepunkt, der in die Geschichte des zweigeteilten Deutschland eingehen wird: die Erhebung der unterdrückten Menschen in Ostberlin gegen ein System der Unfreiheit und der Willkür. [...] Die Leistungen der Kameramänner [...] verdienen hier eine besondere Anerkennung. Unter gefährlichsten Umständen bannten sie erschütternde Szenen von einmaligem dokumentarischen Wert auf ihre Filme." (Film-Echo, Nr. 26, 27.6.1953) Ihre Aufnahmen waren die einzigen, die damals ein breites Publikum erreichten und ins kollektive Bildgedächtnis eingingen. Die Bewertung der Ereignisse reichte von "blutiger Mittwoch von Berlin" (Welt im Bild) und "Streiks und Unruhen" (Blick in die Welt) hin zu "Volkserhebung" (Fox) und "Aufstand" (Neue Deutsche Wochenschau). Die DEFA-Wochenschau Der Augenzeuge verbreitete die offizielle Lesart der DDR, am 17. Juni 1953 sei ein von Westdeutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika organisierter "Putsch" zusammengebrochen.

  6. 15. Juni 2024, Zeughauskino, 20.30, Reihe Berlin.Dokument Nr. 33a: Berlin in den Fünfziger Jahren (6) – Baumeister des Sozialismus (DDR 1953, R: Ella Ensink, Theo Grandy) Für die geplanten Feierlichkeiten zum 60. Geburtstag Walter Ulbrichts am 30. Juni 1953 hatte die DEFA auch einen „Huldigungsfilm” gedreht. Nach Stalins Tod im März 1953 und der Verkündung des „Neuen Kurses” wurden der „Aufbau des Sozialismus“ sowie die angekündigten massiven Normerhöhungen allerdings zurückgenommen und alle Ehrungen ausgesetzt. Der Film verschwand in den Archiven und wurde erst 1997 wiederentdeckt. Die politische Kursänderung konnte den Aufstand vom 17. Juni 1953 aber nicht verhindern... Baumeister des Sozialismus „malt den Aufbau im deutschen Osten in hellen Farben: Aktivistenbewegung, Stalinallee, Eisenhüttenkombinat Ost, Grundsteinlegung zur Deutschen Hochschule für Körperkultur. Überall ist Ulbricht, der omnipräsente Landesvater, allwissende Ratgeber, dabei.” (Ralf Schenk). Die Montage der überwiegend stummen Wochenschaubilder besorgt Ella Ensink, die Chefschnittmeisterin des DEFA-Augenzeugen. Der filmunerfahrene Parteijournalist Theo Grandy dürfte für die Einhaltung der politisch korrekten Linie gesorgt haben. In schwülstiger Parteilyrik besingt Stephan Hermlin das Leben des SED-Chefs. In einer Spielszene erzählt Johannes R. Becher einer Gruppe Junger Pioniere aus der Jugend Ulbrichts. Lange verweilt die Kamera auf ihren ernsten Gesichtern: Es waren die Jüngsten, die keine Chance hatten, sich der Propaganda zu entziehen. – Kein Handout.

  7. 29. Juli 2014, Zeughauskino, 20 Uhr + 31. Juli, 20.00 Uhr, Reihe BerlinDokument Nr. 34: Berlin in den Fünfziger Jahren (7) – "Ihr Völker der Welt, schaut auf diese Stadt..." Erinnerung an Ernst Reuter BD 34 Erinnerung an Ernst Reuter_Handout.pdf – Ernst Reuter: Sozialdemokrat im Kaiserreich, Aufstieg vom russischen Kriegs-gefangenen zum Volkskommissar für die deutschen Siedler an der Wolga, Bruch mit den Kommunisten und Wiedereintritt in die SPD, Stadtrat für das Verkehrswesen in Berlin und Gründer der Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG), Oberbürgermeister in Magdeburg, ab Juli 1932 Reichstagsabgeordneter, von den Nazis verfolgt, Exil in Großbritannien und der Türkei – das sind seine wichtigsten politischen Stationen. Als Berliner Oberbürgermeister von 1947 bis 1951 und Regierender Bürgermeister von 1951 bis 1953 wird der charismatischen Politiker zum Symbol für den Durchhalte- und Freiheitswillen der Stadt. – Am 29. Juli jährt sich der Geburtstag Ernst Reuters zum 125. Mal. Drei Dokumentarfilme zeichnen mit unterschiedlichen Mitteln sein Leben nach. Zwei Jahre nach seinem Tod am 29. September 1953 erinnert Wolfgang Kiepenheuer in Ernst Reuter (1955) mit dokumentarischem Filmmaterial an den Politiker. In Ernst Reuter. Berliner Stimmen 1969 befragt Paul Karalus die Berliner nach ihren Erinnerungen; in einer beeindruckenden Sequenz spricht aber auch Hanna Reuter über private Momente an der Seite ihres Mannes. Die Fernsehdokumentation Ernst Reuter. Ein zerrissenes Leben (2010) von Jan Peter und Yury Winterberg folgt Edzard Reuter auf den Spuren seines Vaters. (In Zusammenarbeit mit dem Landesarchiv Berlin und der Stiftung Ernst-Reuter-Archiv).

  8. 10. August 2014, Zeughauskino, 19.00 Uhr + 13. August, 20.00 Uhr, BerlinDokument Nr. 35: Berlin in den Fünfziger Jahren (8) – Ost-Berlin: Wohnungsbau und SpionagekriegBD 35 Ost-Berlin Wohnungsbau & Spionagekrieg_Handout.pdf – Im Mittelpunkt vieler Dokumentarfilme über den Wiederaufbau in der DDR steht der Wohnungsbau. Wir bauen Wohnungen (R: Heinz Fischer) von 1952 stellt die ersten Arbeiterwohnungen in der Stalinallee vor. In Fünf Jahre demokratischer Magistrat. Fünf Jahre friedlicher Aufbau (DDR 1954, R: Helmut Schneider) lobt der von der SED eingesetzte Ostberliner Magistrat die Wiederaufbauleistungen in den höchsten Tönen. Geschichte einer Straße (DDR 1954, R: Bruno Kleberg) erzählt die Geschichte der Frankfurter Allee bis zum Bau der Stalinallee, ohne jedoch den Aufstand vom 17. Juni 1953 zu erwähnen. Der Film wird 1956 wegen der Glorifizierung Stalins aus dem Verleih genommen. Feinde des Friedens (1DDR 954, R: Helmut Schneide) denunziert die angeblichen Kriegsvorbereitungen in der Bundesrepublik sowie die von West-Berlin aus gesteuerten Aktivitäten westlicher Agenten und Saboteure in der DDR. Der Sonderbericht Schluß damit! (DDR 1956) des DEFA-Augenzeugen widmet sich dem im April 1956 aufgedeckten amerikanischen Spionagetunnel in Altglienicke. Die vorbildliche Pflege des deutschen Kulturerbes in der DDR soll der 1956 in Zusammenarbeit mit der westdeutschen Wochenschau „Blick in die Welt” gedrehte Farbfilm Sanssouci heute von Charles Klein belegen.

  9. 2. September 2014, Zeughauskino, 20.00 Uhr + 4. September, 20.00 Uhr, BerlinDokument Nr. 36: Berlin in den Fünfziger Jahren (9) – Botschafter der Musik (BRD 1950/51, R: Hermann Stöß, 77’) BD 36 Botschafter der Musik_Handout.pdf – Die Geschichte der Berliner Philharmoniker vor dem Hintergrund des Kalten Krieges. Abstrakte Lichtspiele, Mehrfachbelichtungen, Naturaufnahmen und tänzerische Interpretationen ergänzen die zum Teil längeren Aufnahmen des Orchesters unter Bruno Walter, Sergiu Celibidache und Wilhelm Furtwängler. Der Film deutet ihre Musik zivilisationskritisch als Gegenpol zur "Lärmhölle des übermechanisierten Zeitalters" und die gefeierten Auslandstourneen als Verwirklichung einer "europäischen Gemeinschaft". Die Radioübertragungen der ausverkauften Nachkriegskonzerte im Steglitzer Titania-Palast überhöht er als Gleichnis für den Wiederaufbau Westberlins: "Und während im Berliner Titania-Palast schon bei den ersten Klängen des Meistersinger-Vorspiels das im jahrelangen Grauen versteinte Herz der Befreiten sich allmählich löst, dringt die Musik über den Sender hinaus in die Welt. Das Orchester wird zur Stimme seiner Stadt und ihrer Menschen. Und sichtbar für die ganze Welt schält sich aus einer Kruste von Schutt und Asche das unversehrte Menschenbild der freien Stadt Berlin." – Im Vorprogramm dirigiert Professor Dr. Max v. Schillings in Das Weltkonzert. I. Ouvertüre zu den Oper 'Wilhelm Tell' von Gioachino Rossini das Berliner Sinfonie-Orchester in einer Aufnahme von 1932.

  10. 5. November 2014, Zeughauskino, 20.00 Uhr + 11. November, 20.00 Uhr, BerlinDokument Nr. 37: Berlin in den Fünfziger Jahren (10) – Verliebt in (West)Berlin BD 37 Verliebt in (West)Berlin_Handout.pdf – Die Informations- und Tourismusfilme der 1950er Jahre über West-Berlin sollten nicht nur den Fremdenverkehr ankurbeln, sondern in der Bundesrepublik das Bewusstsein von der Zugehörigkeit der Stadt zum Westen fördern und stärken. Gezeigt werden: Reise nach Berlin (BRD 1952, R: J.L. Skerde), Verliebt in Berlin (BRD 1956, R: Ernst Günter Paris), Berliner Pflaster (BRD 1957, R: Wolfgang Kiepenheuer), Wartesaal der Weltgeschichte (BRD 1959, R: Herbert Viktor) sowie Berlin – die Stadt die jeder liebt (BRD 1959, R: Karl Anton). Sie porträtieren West-Berlin als eine liebenswerte Stadt, die man trotz ihrer Insellage gefahrenlos besuchen kann: "Da denkt man, eine Insel betreten zu haben und steht inmitten einer erregenden Weltstadt" – heißt es 1957 in "Berliner Pflaster". Der Kurfürstendamm, die Gedächtniskirche und der Funkturm werden als die neuen Wahrzeichen West-Berlins etabliert. Wiederkehrende Motive sind das grüne Berlin, der Zoo, die Museen, das internationale Kulturleben, der Wiederaufbau, die Freie Universität und das Nachtleben und nicht zuletzt die besondere politische Lage West-Berlins im "Wartesaal der Weltgeschichte".

  11. 14. Dezember 2014, Zeughauskino, 19.00 Uhr + 16. Dezember, 20.00 Uhr, Berlin.Dokument Nr. 38: Berlin in den Fünfziger Jahren (11) – Baukunst, Oper & SchauspielBD 38 Baukunst, Oper & Schauspiel_Handout.pdf – Die Eröffnung der kriegszerstörten Staatsoper Unter den Linden Ende 1955 begleitet die DEFA mit einem halbstündigen Farbfilm über die Geschichte des Hauses und seine Rekonstruktion unter Leitung des Architekten Richard Paulick. Anlässlich der Fertigstellung eines neuen Funkhauses für den DDR-Rundfunk in der Nalepastraße in Oberschöneweide Anfang 1956 stellt der DEFA-Film Synthese die hohe Funktionalität des von Franz Ehrlich entworfenen Gebäudes vor. – Im Westteil der Stadt hatte der Senat 1951 die Max Reinhardt-Schule eingerichtet. Zusammen mit ihrer Leiterin, der Schauspielerin Hilde Körber kommentiert der Filmregisseur Hansjürgen Pohland Ausschnitte aus dem breit gefächerten Unterricht an dieser Theaterschule. Drei Filme dokumentieren die Internationale Bauausstellung 1958 (Interbau 1958) in West-Berlin, insbesondere die Neugestaltung des Hansaviertels und den Bau der von dem amerikanischen Architekten Hugh Stubbins entworfenen Kongresshalle im Tiergarten. – Die Filme im Einzelnen: Die Deutsche Staatsoper (DDR 1955, R: Peter Ulbrich), Ein Blick in die Max Reinhardt-Schule (BRD 1957, R: Hansjürgen Pohland), Synthese (DDR 1957, Joachim Hellwig), Die Welt baut in Berlin (BRD 1957, R: Hans Cürlis), Großbaustelle Hansaviertel (BRD 1959), R: Eberhard Riske) und Ein Haus für die Welt. Kongreßhalle Berlin (BRD 1958, Th. N. Blomberg).

  12. 15. Januar 2015, Zeughauskino, 20.00 Uhr + 18. Januar, 19.00 Uhr, BerlinDokument Nr. 39: Berlin in den Fünfziger Jahren (12) – Berlin.Dokument Nr. 39: Protokoll West-BerlinBD 39 Protokoll West-Berlin_Handout.pdf – Informations-, Kultur- und Propagandafilme über West-Berlin. Der von der Neuen Deutschen Wochenschau produzierte Kompilationsfilm Lieber Leierkastenmann (BRD 1953, R: Marcel Cleinow) präsentiert die jüngste Geschichte Berlins bis zum Wiederaufbau als unpolitische Zeitschau. Der Kurzfilm Munition ist kein Spielzeug! (D/West bzw. BRD 1949) warnt die Kinder vor dem Spielen mit der immer noch zahlreich herumliegenden Munition. ...und eines Tages in Berlin (BRD 1953, R: Gerhard Grindel) demonstriert die Leistungsfähigkeit der Westberliner Polizei bei einem Großeinsatz. Einer von Zwölf (BRD 1956, R: Karl Blanckmeister) porträtiert Kreuzberg als einen von zwölf Westberliner Bezirken und seine Leistungen bei der Enttrümmerung und dem Wiederaufbau. Ausführlich breitet Der Bauch des Riesen (BRD 1956, R: Peter Cürlis, Dr. Siegfried Fischer-Fabian) das reichhaltige Warenangebot in den Westberliner Markthallen aus. Mit einem feuilletonistischen Kommentar versucht der Film Dem Berliner in’s Gesicht gesehen (BRD 1957, R: Norbert Mai, Ludolf Grisebach) den Charakter der Berliner zu ergründen. Der DEFA-Film Protokoll Westberlin (DDR 1959, R: Helmut Schneider) listet lexikonartig sämtliche Schlagwörter der östlichen Propaganda gegenüber West-Berlin auf. Hinter den glänzenden Fassaden herrsche eine amerikanisch geprägte „Frontstadtkultur” und eine erschreckende Jugendkriminalität. West-Berlin wird als eine Stadt der Schieber und Spekulanten porträtiert, als ein Zentrum für Provokationen, Propaganda, Agentenwerbung sowie von Sabotage- und Spionageaktionen gegen die DDR.

  13. 22. Februar 2015, Zeughauskino, 20.00 Uhr + 24. Februar, 20.00 Uhr, BerlinDokument Nr. 40: Berlin in den Fünfziger Jahren (13) – Berlin.Dokument Nr. 40: Interview mit BerlinBD 40 Interview mit Berlin_Handout.pdf – 1959, Ost-Berlin: „Ein neuer Tag beginnt, ein Tag wie jeder andere. Die Stadt beginnt sich zu regen, sie macht sich an ihr Tagewerk...” Zum 10. Jahrestag der DDR realisierte Max Jaap die aufwändig in Agfacolor gedrehte Stadtreportage Interview mit Berlin. Bei VEB Bergmann-Borsig läuft die Turbinen-Produktion auf Hochtouren, das Nationalen Aufbauwerk baut mit am das Freibad Pankow, die Großblockweise schafft zahlreiche preiswerte Neubauwohnungen. Impressionen aus der Stalinallee, dem Treptower Park, dem Tierpark in Friedrichsfelde sowie von den Freizeitvergnügungen an den Seen und auf den Kanälen sowie von Sport und Spiel vermitteln einen frohen-optimistischen Eindruck vom Alltag in Ost-Berlin. Der Film blickt zudem in die Sammlungen der staatlichen Museen und besucht die Humboldt-Universität und die Kunsthochschule in Weißensee. Walter Felsenstein und Wolfgang Langhoff sprechen über ihre Arbeit und im Berliner Ensemble spielt Helene Weigel die „Mutter Courage” – es sind die einzigen Farbaufnahmen dieser Inszenierung. West-Berlin dagegen wird als eine Stadt der Armut, der Arbeitslosigkeit und der verwahrlosten Jugend vorgestellt, als Zentrum des Kapitals und Hort der Reaktion, des Militarismus und der Agententätigkeit gegen die DDR. Offen wird die politische Botschaft des Films ausgesprochen: Abzug der westlichen Alliierten und Errichtung einer „freien Stadt Westberlin” auf dem Territorium der DDR.

  14. 12. März 2015, Zeughauskino, 20.00 Uhr + 15. März, 20.00 Uhr, BerlinDokument Nr. 41: Berlin in den Fünfziger Jahren (14) – Berlin.Dokument Nr. 41: Zwischen Tierpark und WannseeBD 41 Zwischen Tierpark und Wannsee_Handout.pdf – Kurzfilme über das grüne Berlin. Das grüne Herz von Berlin. Aus der Geschichte des Berliner Tiergartens (BRD 1956, R: Willi Säman) rekapituliert die Geschichte des Berliner Tiergartens. In Wenn es Sonntag ist... (BRD 1955, R: Manfred R. Köhler) pilgern die Berliner an Wannsee und Havel. Im Ostteil der Stadt vergnügt man sich im neuen Tierpark: Ick und die Berliner (DDR 1957, R: Bruno Kleberg) ist auch eine Hommage an die Tierliebe der Berliner. Im gleichen Jahr informiert Freizeit und Erholung (BRD 1957, R: Hansjürgen Pohland) über ein vom Senator für Jugend und Sport organisiertes Freizeitprogramm. Sport und Erholung werden als Heilmittel gegen die Hast und das Gedränge in der Großstadt angepriesen und sollen alle „krankhaften Erscheinungen unserer nervösen Zeit für die Zukunft“ ausschließen; auch das „Halbstarkenproblem” wollte man so in den Griff kriegen. Der leicht ironische Kommentar mildert die aufdringliche Werbebotschaft, die zum Schluss eine glückliche Familie zeigt, die mit einem neuen Lebensgefühl optimistisch in die Zukunft blickt. ...die von der Sonne leben (BRD 1958, R: Hansjürgen Pohland) stellt einige jener 50 Mitarbeiter des Strandbads Wannsee wie Bademeister, Garderobenfrauen, Liegestuhlverleiher und Strandhelfer vor, die bereits um halb sechs in der Früh alles für die täglich 40.000 Gäste vorbereiten. Bei gutem Wetter haben sie einen 14-Stunden-Tag, bei schlechtem Wetter müssen viele um ihre Einnahmen bangen. Indiskrete Beobachtungen mit dem Teleobjektiv über die Strandfreuden für Erwachsene (BRD 1959, R: Hansjürgen Pohland) im Strandbad Wannsee belegen, dass nichts anstrengender ist als das süße Nichtstun. In dem für die Auslandswerbung bestimmten Film ...abends an der Spree (DDR 1962, R: Alfons Machalz) zeichnet das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der DDR 1962 das Bild eines aufregenden Nachlebens in Ost-Berlin.

  15. 10. April 2015, Zeughauskino, 18.30 Uhr + 12. April, 18.30 Uhr, Berlin.Dokument Nr. 42: Berlin in den Fünfziger Jahren (15) – West-Berlin: Einzug der Moderne. – BD 42 West-Berlin_Einzug der Moderne_Handout.pdf – West-Berlin, Ende der 1950er Jahre: Die Teilstadt bekennt sich zur Moderne. In Eine Stadt ist optimistisch (BRD 1957, R: Rudi Flatow) arbeiten die Stadtplaner an klaren und durchdachten Wohngebieten als scharfe Absage an das unorganisch gewachsene Häuser- und Straßenlabyrinth Berlins. Noch haben sie die gesamte Stadt im Blickfeld, der geplante Schnellstraßenring endet aber an den Sektorengrenzen. Projekt: Schnellstraße (BRD 1957/59, R: Rudi Flatow) und Stadtautobahn Nr. 1 (BRD1959, R: Rudi Flatow) dokumentieren den ersten Bauabschnitt zwischen Hohenzollerndamm und Halensee. Berlin – Hauptstadt Deutschlands (BRD 1958, R: Bodo Menck) stellt die mit Bundesmitteln und Marshallplangeldern realisierte Aufbauleistung im Westteil der Stadt vor. Der Anspruch auf Berlin als Hauptstadt eines wiedervereinigten Deutschland drückt sich auch in dem städtebaulichen Ideenwettbewerb "Hauptstadt Berlin" von 1957/58 aus. Der gleichnamige britische Film Hauptstadt Berlin (GB 1959, R: John McHale) präsentiert die nicht realisierte Vision der Architekten Alison und Peter Smithson und Peter Sigmonde-Wonke. 1960 nimmt Herbert Vesely West-Berlin als Vorbild für eine soziologische Filmstudie zum Thema Die Stadt – ein erster radikaler Versuch, einen Städtefilm jenseits der ausgetretenen Pfade des Kulturfilms zu komponieren.

  16. 10. Mai 2015, Zeughauskino, 18.00 Uhr + 12. Mai, 20.00 Uhr, Berlin.Dokument Nr. 43: Berlin in den Fünfziger Jahren (16) – Ost-Berlin: Straßen, Plätze, Milieus BD 43 Ost-Berlin Ost-Berlin_Straßen, Plätze, Milieus_Handout.pdf – Am 1. Mai 1956 paradieren erstmals Einheiten der neu aufgestellten Nationalen Volksarmee auf dem Marx-Engels-Platz; der Bedeutung dieser Machtdemonstration entsprechend wird die Maiparade 1956 auf Farbfilm festgehalten. Eine Nacht wie jede andere (1957) begleitet den Funkwagen „Toni 14“ auf einer nächtlichen Streifenfahrt durch Berlin; wir erleben die Volkspolizei bei der Festnahme eines Autodiebs, aber auch als Freund und Helfer, die ein schwer krankes Kind schnellstmöglich in die Notaufnahme bringen. Mehr als eine Straße (1959) zeichnet an Hand der Karl-Liebknecht-Straße die Geschichte der Arbeiter-bewegung nach. Pankow – ein Bezirk in Berlin (1957) präsentiert nicht nur die Pankower Kandidaten der nationalen Front zu den Gemeinde- und Kreistagswahlen in der DDR am 23. Juni 1957, sondern stellt auch die volkseigenen Güter und sozialen Einrichtungen des Bezirks vor. Zille und sein Berlin (1959) besticht durch klug eingesetzte Animationen und kulissenartige Inszenierungen seiner berühmten Zeichnungen des Berliner Milieus.

  17. 14. Juni 2015, Zeughauskino, 20.00 Uhr + 16. Juni, 20.00 Uhr, Berlin.Dokument Nr. 44: Berlin in den Fünfziger Jahren (17) – West-Berlin: Stadt und Vorposten der Freiheit –  BD 44 West-Berlin Stadt und Vorposten der Freiheit_Handout.pdf – Ein zentrales Motiv der bundesdeutschen Informationsfilme zu West-Berlin ist die Charakterisierung der Stadt als „Vorposten der Freiheit”. Hinzu kommt eine scharfe antikommunistische Rhetorik. Berlin – Vorposten der Freiheit (BRD 1958) adressiert die arabische Welt und hebt vor allem auf Berlin als Industriestandort ab. Berlin – Stadt der Freiheit (BRD 1959, R: A. Werner Uhlig) rekapituliert die wichtigsten Stationen der Berliner Nachkriegsgeschichte. Der Regierende Bürgermeister Willy Brandt stellt die Stadtplanung vor und lobt die beim Wiederaufbau bereits erbrachten Leistungen. In Berlin gehört zu Europa (= Ifage-Magazin Nr. 24; BRD 1959) reist Willy Brandt nach New York und Tokio sowie nach Brüssel, um für Verständnis für die besondere Lage West-Berlins zu werben. Der Deutschlandspiegel, ein vor allem für das Ausland bestimmtes monatliches Filmmagazin, listet in einem Sonderbericht Berlin (Oktober 1959) wesentliche Merkmale der Teilstadt auf: die Versorgung der Stadt über Fernlastzüge, der Zeitungsdruck im Druckhaus Tempelhof, West-Berlin als Industrie-, Kongress- und Modestadt, Wohnen in der Siemensstadt, Tourismus, Brückenbau und Stadtautobahn, schließlich das grüne Berlin mit Grunewald und Strandbad Wannsee, der Flughafen Tempelhof. Die Berliner aber bleiben in ihrer Stadt, so der Kommentar, "weil sie Berlin lieben und ihre Freiheit, die besonders kostbar ist, wenn sie bedroht wird."

  18. 26. Juli 2015, Zeughauskino, 20.00 Uhr + 28. Juli, 18.00 Uhr, Berlin.Dokument Nr. 45: Berlin in den Fünfziger Jahren (18) – West-Berlin: Tor zur FreiheitBD 45 West-Berlin_Tor zur Freiheit_Handout.pdf – Die anhaltende Fluchtbewegung aus der DDR nach West-Berlin war einer der zentralen Gründe, die 1961 zum Mauerbau führten. In West-Berlin sei eine neue Nation entstanden, „die Nation der Heimatlosen“, heißt es in dem Film Laßt uns auch leben! (BRD 1952, R: Günther Rittau). Flüchtlinge berichten über die Motive ihrer Flucht: „Endlich können sie wieder sagen was sie denken.” Berlin – Insel der Hoffnung (BRD 1953, R: Hanno Jahn) begleitet einen Bauern aus Mecklenburg bei seinem Weg durch die Instanzen des Notaufnahmeverfahrens. Er thematisiert auch das Problem derjenigen Menschen, die nicht als Flüchtlinge anerkannt wurden und ohne gültige Papiere in West-Berlin leben. Wenn der Damm bricht (BRD 1953, R: Günther Schnabel) nimmt die internationale Hilfe nach der verheerenden Flutkatastrophe am 1. Februar 1953 in Holland zum Anlass, Europa auch um Unterstützung bei der Bewältigung des Flüchtlingsstroms nach West-Berlin zu bitten. Mit Hilfe von Spielszenen zeigt der scharf antikommunistische Film Freiheit! Unser Ziel! (BRD 1953, R: Johannes Häussler) die existenzielle Bedrohung einer Bauernfamilie aus Brandenburg auf: „Für die Opfer kommunistischer Politik drückt sich Hoffnung und Neubeginn mit den Namen einer Stadt aus: West-Berlin.” Nach ihrer nachgestellten nächtlichen Flucht werden sie von einer Meldestelle des Berliner Senats in das Notaufnahmelager Marienfelde eingewiesen. Auch der im Auftrag des Hilfswerks der Evangelischen Kirchen Deutschlands hergestellte Film Das neue Kapitel (BRD 1954) schildert den beschwerlichen Weg, den die Flüchtlinge aus der DDR auf sich nehmen müssen, bis sie anerkannt und mit Sonderflügen in die Bundesrepublik gebracht werden.